Erholung nicht auf Urlaub verschieben

Die Urlaubszeit geht zu Ende. Die täglichen Aufgaben gewinnen wieder an Bedeutung. Hoffentlich haben Sie sich gut erholt?

Erholung sollte allerdings nicht nur auf den Urlaub beschränkt sein, sondern unbedingt auch im alltäglichen Leben ein fester Bestandteil sein. Diesen Hinweis aus den Seiten von Psychiater im Netz  greife ich heute mal auf.

urlaub1„Manche Menschen sehen in erster Linie den Urlaub als Zeitraum, der ihnen zur Erholung und zum Stressabbau zur Verfügung steht. Allerdings haben Studien gezeigt, dass die Erholung nach dem Urlaub bereits nach zwei bis vier Wochen wieder vorbei ist – je nach Qualität des Urlaubs und der anschließenden Arbeitsbelastung. Den Urlaub als «geballte Erholung» zu betrachten, die Menschen über die Durststrecke bis zum nächsten Urlaub verhilft, ist eher eine Illusion“, berichtet Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die ihren Sitz in Berlin hat. „Der Jahresurlaub ist zwar wichtig, weil er einen größeren Spielraum bietet als der Feierabend, aber er reicht auf Dauer nicht aus, um sich ausreichend zu erholen. Angemessene Maßnahmen zur individuellen Entspannung mit psychischer und physischer Regeneration müssen regelmäßig erfolgen, ansonsten läuft man Gefahr, auch im Urlaub und am Wochenende keine Entspannung zu finden.“

 

Warum funktioniert Erholung im Urlaub so besonders?

Entscheidend dafür ist das Gefühl selbstbestimmt zu handeln und den Kopf frei zu bekommen anstatt über die Arbeit zu grübeln.  Weil man weniger unter Anspannung steht, fällt es leichter, sich auf momentane Dinge einzulassen. Plötzlich hört man Vogelgezwitscher, riecht verschiedene Blumendüfte, selbst das Essen schmeckt irgendwie anders. In der Psychologie wird dieser Vorgang als ‚Hinwendung auf die Gegenwart mit einer verbesserten Wahrnehmung des eigenen Befindens‘ bezeichnet. Das hat einen befreienden Charakter und verringert das Stressempfinden sowie auch emotionale Erschöpfung (Dr. Iris Hauth).

Und nach dem Urlaub?

Viele Menschen leben dann wieder im «Autopilot-Modus«. Sie überspielen reflexartig Gefühlszustände und führen Tätigkeiten automatisch aus ohne innerlich bei der Sache zu sein. Beim Frühstücken wird bereits der Tag mit seinen Aufgaben durchdacht, während der Arbeit überlegt man, was nach Feierabend eingekauft werden muss, beim Einkaufen denkt man an die Dinge, die noch am gleichen Tag erledigt werden müssen und kurz vor dem Einschlafen kreisen die Gedanken bereits um den nächsten Tag. Kein Wunder, dass eine Urlaubserholung schnell weg ist.

Erholung auch im Alltag?

Es wäre doch ideal, wenn man das entspannte Gefühl aus dem Urlaub im Alltag einbauen könnte! Mit dem Trainieren von Achtsamkeit ist es möglich, ganz stark vereinfacht formuliert, den gegenwärtigen Moment aufmerksam wahrzunehmen und ihn nicht zu bewerten. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen inzwischen die Wirksamkeit von achtsamkeitsbasierten Verfahren – insbesondere für den Umgang mit Stress und anderen seelischen Belastungen sowie Schmerzen und psychischen Erkrankungen. Auch die Hirnforschung konnte mittlerweile die durch Achtsamkeitsübungen bewirkten Veränderungen im Gehirn mittels bildgebender Verfahren empirisch nachweisen. „Achtsamkeit ist etwas Anderes als Wellness oder Entspannung und auch mehr als einfach vorsichtig zu sein oder besonders aufzupassen. Betreibt man es ernsthaft, kann es tiefgreifend sein, weil man lernt, sich auf sich selbst zu konzentrieren und die Selbstwahrnehmung zu verbessern“, betont Dr. Hauth. Eine nachhaltige Wirkung von Achtsamkeitstrainings wird vor allem dadurch erzielt, dass die Teilnehmenden die erlernten Übungen selbständig zu Hause weiterführen und in ihrem Arbeitsalltag integrieren. Studien legen nahe, dass nach einem erfolgreichen Achtsamkeitstraining ein paar Minuten aktive Gegenwartsfokussierung pro Tag ausreichen, um sich einen Puffer gegen Arbeitsstress zuzulegen.

Achtsamkeit

Die Konzentration auf den Moment gehört bereits seit langer Zeit im Buddhismus zu den wichtigen Übungen. In unserer westlichen Welt wird sie als Achtsamkeit bezeichnet. Weite Verbreitung hat das aus Amerika kommende Entspannungsverfahren MBSR (Mindfulness based stress reduction). Achtsamkeit sollte immer unter fachkundiger Anleitung geübt werden. Innerhalb dieser Ausbildung lernt man Gedanken zu steuern, das Lebensgefühl zu verbessern und die Stressbelastung zu verringern. Aber auch ein bewusster Umgang mit sich selbst im Alltag führt zu mehr Achtsamkeit.

Eine kleine Übung als Beispiel

Im Alltag ist Autofahren Routine – versuchen Sie, es achtsam zu tun. Beginnen Sie damit gleich nach dem Platznehmen: Spüren Sie Sitzpolster und Lehne an Oberschenkeln, Po und Rücken? Achten Sie auf den Druck des Zündschlüssels, während Sie den Motor starten. Und darauf, wie Sie lenken, wie Sie sich in den Straßenverkehr einfädeln. Erspüren Sie auch, welche Emotionen während der Fahrt aufkommen. Versuchen Sie, diese Feststellungen neutral zu betrachten und in keinem Fall positiv oder negativ zu bewerten.

Nach einer Weile werden Sie bemerken, dass sich Ihre Wahrnehmung und Aufmerksamkeit verändern.

 

 

 

 

 

Quellen:
de Bloom J.;Meta-analysis of Vacation Effects on Health and Well-being, J Occup Health 2009; 51: 13–25; joh.sanei.or.jp/pdf/E51/E51_1_02.pdf
Hülsheger, Ute R.; Alberts, Hugo J. E. M.; Feinholdt, Alina; Lang, Jonas W. B., Benefits of mindfulness at work: The role of mindfulness in emotion regulation, emotional exhaustion, and job satisfaction.Journal of Applied Psychology, Vol 98(2), Mar 2013, 310-325.
Begründer MBSR (engl.: Mindfulness based stress reduction): Jon Kabat-Zinn, PhD, ist Professor Emeritus für Medizin an der University of Massachusetts Medical School und Begründer des Center for Mindfulness in Medicine, Health Care, and Society: https://de.wikipedia.org/wiki/Jon_Kabat-Zinn
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