Autogenes Training

Das Autogene Training entstand aus der Hypnose. Entwickelt wurde es im Jahr 1927 von Prof. Dr. Johannes Heinrich Schultz. Autogenes Training wird überwiegend in Gruppen erlernt und ist besonders für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse am ehesten geeignet.

Wie definiert J.H. Schultz das Autogene Training?

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Prof. Johannes Heinrich Schultz

Prof. J.H. Schultz sieht das Autogene Training als eine Art von „innerer Gymnastik“ die, ebenso wie äußere Gymnastik zu einem Bestandteil täglicher Gesundheitspflege werden kann. Genau wie bei der Bewegungsgymnastik kann auch die tägliche Gymnastik des Nervensystems zu mehr Ausgeglichenheit führen ( Schultz spricht von ‚Ökonomisierung der Nerven‘). In der Medizin findet das Autogene Training als Therapieform in der so genannten Oberstufe seine Anwendung. Das allgemein bekannte Autogene Training wird als Unterstufe bezeichnet und findet seine Anwendung häufig im Entspannungsbereich.

 

Wie funktioniert Autogenes Training ?

Bei dieser Entspannungstechnik wird das vegetative Nervensystem mit einer Art von Selbsthypnose zur Ruhe gebracht. Mit der Ausbildung zum Autogenen Training bekommen Sie ein Verfahren vermittelt, mit dem Sie aus sich selbst heraus Ruhe und Ausgeglichenheit entstehen lassen (autogen = griechisch in etwa für selbstständig entstehen). Wenn Sie diese Entspannungstechnik lernen, erlangen Sie die Fähigkeit, sich in der Hektik des Alltags immer und überall Entspannungsmomente zu verschaffen. Profis z.B. können durch so genannte Schlüsselreize sofort zur Ruhe kommen. Als Schlüsselreiz bezeichnet man Worte oder Bewegungen die innerhalb des Autogenen Trainings erlernt werden.

Beim Autogenen Training lernen Sie in sechs Übungseinheiten spezielle Formeln, mit denen Sie sich auf Ihren Körper und auf einzelne Teile des Körpers konzentrieren. Diese führen dann z.B. zu Schwere und Wärme in Armen und Beinen, zu Wärme im Sonnengeflecht, zu einer Beruhigung von Atmung und Puls oder auch zur Kühlung der Stirn.

Bei ausreichender Übung können Sie Körperfunktionen und -Empfindungen beeinflussen (nur so ist z.B. der gewünschte Entspannungseffekt zu erreichen). Deshalb rate ich davon ab, dieses Verfahren über CD/DVD zu Hause zu lernen. Nur durch die persönliche Betreuung von ausgebildeten Fachkräften ist es möglich, rechtzeitig einzugreifen, wenn der Übende Fehler macht oder wenn unvorhergesehene Nebenwirkungen eintreten. Einmal erlernt, spricht nichts gegen die Anwendung zu jeder Zeit.

Was ermöglicht das Autogene Training?

Prof. Dr. J.H. Schultz nennt die klassischen Zielsetzungen des Autogenen Trainings (die letzten drei Punkte betreffen das Autogene Training ‚Oberstufe‚):

Erholung,
Selbstruhigstellung,
Selbstregulierung sonst unwillkürlicher Körperfunktionen,
Herbeiführung von Schlaf,
Leistungssteigerung,
Abschalten von Schmerzen oder unangenehmen Körperzuständen (z.B. Jucken),
Selbstbestimmung,
Selbstkritik und Selbstkontrolle,
Persönlichkeitsentwicklung.

Ist das Autogene Training leicht zu erlernen?

Training bedeutet üben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man beim Autogenen Training viel üben muss – zumindest verstärkt in der Anfangszeit, der Lernphase. Je mehr geübt wird, umso besser ist die Wirkung auf Körper, Geist und Seele.  Ein Erfolg stellt sich erst nach vielem Üben ein. Also verlieren Sie nicht den Mut, wenn Sie dieses Verfahren einüben.

Was ist noch wichtig?

Voraussetzung für das Funktionieren der Anwendungen ist der Zustand von Entspannung und Versenkung. Je nach Fähigkeit zur entspannenden Konzentration kann ein Zeitraum von 3-6 Monaten verstreichen, bevor die Fähigkeiten nach Wunsch ‚eingeschaltet‘ werden können. Geduld ist also ganz wichtig.

Beim Autogenen Training gilt wieder einmal der Satz:
In der Ruhe liegt die Kraft.

Und noch ein Hinweis: Die Anwendung von autogenem Training ist leider nicht für jeden Menschen gleich gut geeignet. Es gibt Erkrankungen, bei denen dieses Verfahren nicht sinnvoll oder sogar schädlich sein kann. Wenn Sie sich für einen Kurs entscheiden, klären Sie bitte vorher in einem Gespräch mit Ihrem Arzt ab, ob möglicherweise ein Risiko für Sie persönlich besteht.