Burnout-Syndrom

In Deutschland sind ca. 6 Millionen Menschen von Erschöpfung betroffen. Menschen, die sich nach starkem Einsatz im Beruf oder in der Freizeit extrem leer und energielos fühlen – regelrecht ausgebrannt! Die Medien berichten häufiger über Burnout und sprechen bereits von ‚der neuen Volkskrankheit‘. Die Behandlungen verursachen Kosten in Milliardenhöhe. Die Wissenschaft arbeitet deshalb mit Hochdruck an der Erforschung des Burnout und kann inzwischen schon beachtliche Erkenntnisse beschreiben.

Was hat es nun auf sich mit diesem Burn-out? Ist das am Ende wieder nur eine Möglichkeit, den Medien Leser/Zuschauer und der Wirtschaft zusätzlichen Umsatz mit verschiedenen Angeboten zu bringen? Oder verbirgt sich dahinter eine ernstzunehmende Gefahr? Bitte machen Sie sich selbst ein Bild. Die Informationen zu diesem Thema habe ich zusammengetragen und nachfolgend aufgeschrieben.

Die Auslöser

Das Burnout-Syndrom entsteht nicht plötzlich und unerwartet. Es ist ein schleichender Prozess des fortschreitenden Energieverlustes, oft über viele Jahre. Die Betroffenen nehmen ihren Zustand der Erschöpfung und Verzweiflung oft erst in einem sehr späten Stadium ernst. Auch das nähere Umfeld der Betroffenen unterschätzt immer wieder die Gefährlichkeit von Burnout. Im Vordergrund der Ursachen steht vor allem lang andauernder Stress und die Verdrängung persönlicher Bedürfnisse. Burnout kann nicht nur im Arbeitsleben entstehen, sondern auch in Beziehungen und im täglichen Leben.

Man unterscheidet in äußere und innere Auslöser. Zu den beruflichen, äußeren Faktoren zählen u.a. Mobbing am Arbeitsplatz, mangelnder Respekt, extreme Arbeitsbelastung, Zeitdruck, Vertrauensverlust, mangelnde Entscheidungsfreiheit oder zu wenig Anerkennung. Ergänzt werden diese Umstände durch innere Faktoren, die aber nicht allein als Auslöser für ein Burnout-Syndrom gelten. Zu den inneren Faktoren zählen zu große Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus, Ehrgeiz, ausgeprägtes ‚Helfersyndrom‘ , Angst vor Versagen oder vor Kritik, Angst zum ’nein sagen‘, Wunsch nach Erfolg, Sicherheit und Akzeptanz.

Die Phasen

Experten teilen den Burnout-Verlauf in verschiedene Phasen ein. Je nach Expertentheorie erfolgt diese Einteilung zwischen 3 und 30 Stufen, die alle ineinander übergehen, schwer voneinander abzugrenzen sind und oft sogar gleichzeitig stattfinden. Beispielsweise möchte ich die Theorie des Burnout-Forschers Herbert Freudenberger nennen: Er unterteilt den Krankheitszyklus in 12 Stufen. Zusammengefasst werden bei allen Theorien die Stufen in so genannte Phasen, also Gruppen von Symptomen.


Die erste Phase bzw. die ersten Phasen sind geprägt von Aggression und Aktivität. Diese Anfangszeit kann sich zwar über einen sehr langen Zeitraum ziehen, wird aber von Betroffenen nicht als Beginn einer folgenschweren Krankheit erkannt, weil sie keinen Leidensdruck hervorruft. Ganz im Gegenteil: Die Betroffenen sind leistungsfähig, fühlen sich unentbehrlich. Sie habe hohe Anforderungen an sich selbst und eventuell auch an Mitarbeiter. In der zweiten oder den folgenden Phasen, nimmt die Leistungsfähigkeit ab, die Unzufriedenheit wächst im gleichen Maße. Burnout-Betroffene haben jetzt das Gefühl, keine Zeit zu haben, führen ihre Arbeiten nicht mehr fehlerfrei durch. Sie fühlen sich austauschbar und verhalten sich distanziert. Betroffene werden passiv und verlieren das Interesse.

Schließlich folgt die Endphase des Burnout-Prozesses. Jetzt ist der Leidensdruck so groß, dass sich der Betroffene Hilfe sucht. Oftmals verfällt der Betroffene in dieser Zeit auch einem Suchtverhalten oder entwickelt eine Depression. Zu den spürbaren Burnout-Symptomen gehören Hoffnungslosigkeit und Panikattacken. Der Betroffene hat jetzt seine eigenen Ziele aus den Augen verloren. Es besteht in diesen Phasen eine hohe Selbstmordgefahr.

Burnout oder Depression

Die Burnout-Symptome sind oft sehr ähnlich wie die Symptome einer Depression. Deshalb besteht auch die Gefahr, Burnout mit einer chronischen Depression zu verwechseln. Es gibt aber gravierende Unterschiede zu beiden Krankheiten. Es ist unbedingt erforderlich, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen, wenn man wegen des großen Leidensdrucks Hilfe sucht. Nur so kann die tatsächliche Ursache erkannt und erfolgreich behandelt werden.

Eine Depression  äußert sich durch körperliche und psychische Störungen die denen des Burnout ähnlich sind. Sie zählt zu den ältesten Krankheiten der Menschheit. Die Depression oder auch depressive Störung, depressive Episode oder Melancholie bezeichnet einen Zustand von Niedergeschlagenheit und Schwermut. Man unterscheidet verschiedene Formen der Depression nach Schweregrad und Anzahl der Symptome:

Die leichte Depression äußert sich durch einige weniger stark ausgeprägte Symptome und ist gut zu behandeln. Während bei einer mittelschweren Depression ein breites Spektrum an Symptomen auftritt, ist die schwere Depression eine Krankheit, die in jedem Fall von einem Psychiater behandelt werden muss.

Bei einer Burnout-Depression hat der Betroffene den Kontakt zu sich selbst verloren und seine Bedürfnisse über lange Zeit verleugnet. Gefühlswelt und Wahrnehmungen haben sich verändert, weil der Betroffene unfähig ist, seinen eigenen Ansprüchen und Erwartungen zu genügen. Das eigene Selbstbild kann nicht mehr aufrecht gehalten werden. Eine Burnout-Depression zeigt sich immer zuerst im Bereich der Überforderung und erweitert sich erst in späteren Phasen auf das gesamte Erleben. Zum Beispiel kann man zuerst über der Arbeit ausbrennen und völlige Lustlosigkeit und Desinteresse entwickeln, dagegen aber bei Treffen mit Freunden noch Spaß haben und aufblühen.

Die Therapie

Es gibt nicht einfach ‚die‘ Therapie bei Burnout. Dazu sind die Ursachen und Symptome der Erkrankung zu unterschiedlich. Um dem Burnout wirksam entgegenzutreten hat sich eine Mischung aus Entspannung und Bearbeitung der Stressauslöser (Stressoren) sehr gut bewährt. Dadurch erreicht man nicht nur den Abbau der aktuellen Stresssituation, sondern erhöht die Stressresistenz durch die ‚effektive Entmachtung der Stressauslöser‘ (Uli Herold auf burnout-weg.de). Achtsamkeitsübungen zur Steigerung der Selbstwahrnehmung sind unerlässlich. Ein Wechsel heraus aus dem Alltagsleben und hinein in einen abgeschotteten Bereich von Ruhe und Stille ist sehr empfehlenswert (Reha, Klinikaufenthalt). Auch körperliches Training hilft, die seelische Balance wieder zu entdecken. Das alles muss aber im Tempo der Genesung des Patienten erfolgen, weil zu große Belastung zu weiteren Verlusten von Ressourcen führt.

Diese Maßnahmen allein reichen aber nicht aus, um den Weg aus dem Burnout zu finden. Sie können jedoch unterstützend zu tiefenpsychologischer Therapie / Verhaltenstherapie erfolgen. Je nach Schwere der Erkrankung ist eine medikamentöse Behandlung unerlässlich. Deshalb gilt die Empfehlung bei Burnout-Erkrankung: sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt oder Psychiater, denn nur von dort können die notwendigen, erfolgversprechenden Behandlungswege eingeschlagen werden.

Die Vorsorge

Verständlich, dass Sie sich nach all diesen Informationen fragen ob es Vorsorgemaßnahmen gibt, damit es nicht zu einem Burnout kommt. Die aktuelle Stressforschung hat folgende Erkenntnis: nicht jede Belastung führt zu Stress und nicht jeder Stress löst Burnout aus. Nicht der Stress ist schädigend sondern unser Umgang damit. Und da liegt auch bereits der Schlüssel zur Vorsorge. Wir können uns in unserem Leben nicht mehr der Belastung durch Stress entziehen. Deshalb müssen wir den Umgang damit lernen. Es gibt viele unterschiedliche Angebote, die Sie dabei unterstützen möchten. Stressbewältigungsprogramme zeigen Ihnen z.B. den Weg.

Aber auch Sie selbst können etwas tun: Gestalten Sie Ihre Einstellung zu Beruf und Ihrem Leben achtsam um.  Bemerken Sie frühzeitig Stress- und Burnoutsymptome und schalten Sie dann sofort einen Gang runter. Spaß ist erlaubt! Auch bei der Arbeit. Sagen Sie öfter mal ‚Nein‘ wenn Sie etwas nicht machen möchten oder können. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, verschieben Sie auch schon mal einen Termin. Sie müssen nicht immer alles selber machen. Ihre Leistung muss nicht immer perfekt sein.

Lernen Sie Entspannungsprogramme zur Stärkung Ihrer inneren Kräfte und zur Steigerung Ihrer Belastbarkeit. Progressive Muskelentspannung, Meditation, Achtsamkeitsübungen haben sich dafür bewährt.