Fantasiereisen

Fantasiereisen sind wie Märchen? Erinnern Sie sich noch an die ‚Gute-Nacht-Geschichten‘ Ihrer Kindheit? Waren diese Geschichten nicht wohltuend und beruhigend? Einfach nur daliegen und sich der eigenen Fantasie hingeben war damals sogar erwünscht. Und heute?

Wie lautet die Definition der Fantasiereisen ?

Fantasie-, Märchen- oder Traumreisen zählen zu den imaginativen Verfahren und werden von einem Sprecher vorgelesen oder erzählt. Der tiefe Ruhe- und Erholungszustand wird durch eine liegende, entspannte Körperposition mit geschlossenen Augen, die Zuwendung durch den Sprecher sowie die Hinwendung auf die angenehm empfundenen Bilder in der eigenen Fantasie erzielt. Sanfte Musik und zum Teil Elemente aus dem Autogenen Training unterstützen diesen Entspannungs- und Kraftschöpfungsvorgang.

Sind Fantasiereisen einfach Märchen ?

Das, was wir alle als Kind zu hören bekommen haben, waren Märchen. Fantasiereisen sind irgendwie auch wie Märchen, allerdings: sie regen die Fantasie an, lösen emotionale Spannungen, wecken Neugier, vermitteln Trost, Hilfe, Mut und sie unterhalten. Sie sind eine Reise ins eigene Innere. Der Körper kann in dieser Zeit der Reise in einen Zustand der Tiefenentspannung geraten, die Mediziner sprechen vom Alphazustand – der Phase des Gehirns kurz vor dem Einschlafen.

Was bewirken Fantasiereisen ?

Die Fantasie des Menschen braucht genau wie ein Muskel ständiges Training. „Die Abenteuer spielen sich im Kopf ab“. Sie ist eine Fähigkeit, die ‚vorhandene Sinneseindrücke und Erlebnisse in neue Vorstellungsbilder umwandelt‘ (Zitat). Durch Fantasieren und Träumen erweitern wir unser Bewusstsein und erleben neue Möglichkeiten von Konfliktbewältigung. Sie lassen sich zur schnellen Entspannung ebenso einsetzen wie zur Rückgewinnung von Kraftreserven, als Vorsorge zur Vermeidung von Burnout-Symptomen oder Prüfungsängsten.

Fantasievolle Menschen erleben den Alltag viel farbiger, viel reicher. Während einer Fantasiereise erlebt der Zuhörer einen filmartigen Ablauf von Bildern vor seinen geschlossenen Augen. Er (der Zuhörer – gilt natürlich auch für sie, die Zuhörerin) erinnert sich an die eigene Kindheit mit ‚Einschlafgeschichten‘. Diese Hinwendung zu den ‚erlebten Bildern‘ in der eigenen Phantasie führt den Zuhörer in einen tiefen Ruhe- und Erholungszustand. Alle Spannung fällt ab. Diesen Zustand des ‚Nichts-Tuns‘ bezeichnet z.B. der Taoismus als Wu-Wei – das Handeln ohne zu handeln.

Handeln ohne zu handeln ?

Unsere westlich geprägten Gedankenmuster haben mit dieser Definition aber ein Problem. Jedoch: Handeln ohne zu handeln hat nichts mit Faulheit zu tun, oder mit Depression bzw. Desinteresse. Handeln ohne zu handeln bedeutet nur, dass wir loslassen. Dass wir nicht versuchen, Ereignisse zu kontrollieren oder zu beeinflussen. Es bedeutet einfach entspannen und geschehen lassen. Und während dieses Zustandes der so genannten Tiefenentspannung schöpft der Zuhörer wieder Kraft und Energie und kommt mit einem Wohlgefühl von der Fantasiereise in sein Inneres wieder zurück in den Alltag. Ob Albert Einstein wohl auch von einer Fantasiereise zurück kam, als er sagte: „Phantasie ist besser als Wissen“?

Fantasiereisen nur zur Entspannung ?

Fantasiereisen werden auch therapeutisch verwendet. Der Therapeut unterstützt die Annäherung an innere Bilder durch offene oder lenkende Fragen. Der Übergang in die Oberstufe des Autogenen Trainings ist in diesem Fall meist sehr fließend.

Was ist noch wichtig ?

Die Teilnahme an einer Fantasiereise kann ohne Vorkenntnisse erfolgen. Menschen mit akuten Psychosen sollten dieses Verfahren als Entspannungskurs meiden.