Phänomen Stress

In unserem Leben gibt es kaum jemanden, der sich dem Phänomen Stress entziehen kann. Stress lauert überall: im Berufsleben, im Privatleben, in der Schule, in der Freizeit, in der Partnerschaft – einfach überall. Wir hetzen von Termin zu Termin. Jeder Termin wird einfach nur noch abgehakt. Doch, wer ständig unter Anspannung steht, riskiert viel – unter Umständen sogar die Gesundheit. Anspannung bedeutet nicht unbedingt Stress. Deshalb lohnt es sich, einmal etwas tiefer in das Thema einzusteigen.

Was bedeutet Stress ?

Der in Medizin und Wissenschaft anerkannte Stress-Forscher Hans Selye hat bereits in den 30iger-Jahren festgestellt, dass die Organe des Körpers bei Anspannungen unterschiedlich reagieren. In der Veröffentlichung seiner Testergebnisse definierte er Stress als ‚unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Beanspruchung‘. Zu dieser Zeit schuf er auch die Bezeichnung Stress für diese körperlichen Reaktionen.  1936 entlehnte Hans Selye den Begriff aus der Physik ( engl.: Druck, Anspannung – lat.: stringere=anspannen).
Erst fast 40 Jahre später verkündete der gleiche Forscher, dass es verschiedene Arten von Stress gibt, auf die der Körper auch unterschiedlich reagiert. Ab sofort sprach die Wissenschaft von gutem (=natürlichen) Stress und vom schädigenden Stress.

Wie entsteht Stress ?

Gestresst fühlen sich die Menschen, wenn Sie Termindruck oder zu großem Arbeitspensum ausgesetzt sind. Dabei erscheint die aktuelle Situation ausweglos und es fehlt die Kraft zur Veränderung der Situation. Es gibt aber noch weitere Stressoren – so nennt man die Auslöser von Stress. Häufig sind es große Umbrüche in der Lebenssituation ( Tod eines Partners oder Kindes, Geburt, Scheidung, Arbeitsverlust, finanzielle Veränderungen, eine schwere Erkrankung). Auch hier wird das Leben in seinen Grundfesten erschüttert und ein Ausweg scheint nicht in Sicht. Stress kann auch im Straßenverkehr entstehen oder in der Schule: immer mehr Kinder leiden unter dem Leistungsdruck und der teilweisen Überforderung weil die Erwachsenen so hohe Erwartungen an sie stellen.

Stress entsteht also immer dann, wenn eine Belastung unlösbar, ausweglos oder unkontrollierbar erscheint. Gesundheitsgefährdend wird Stress, wenn sich die Situationen von Anspannung und Entspannung nicht mehr die Waage halten. Denn auf jede Anspannung muss eine Phase der Entspannung folgen, damit der Körper Gelegenheit zur Kraftschöpfung und Erneuerung erhält.

Welche Auswirkungen hat Stress ?

Vereinfacht gesagt, ist erst mal Alarm wenn das Gehirn eine Wahrnehmung als gefährlich einstuft (Geräusch, Anblick, rasche Bewegung …). Der Stress erhöht die Aufmerksamkeit und macht den Körper wach. Das Zwischenhirn macht nun aus der Wahrnehmung Angst. Ohne diese Angst hätte die Menschheit übrigens niemals eine Chance zum Überleben gehabt. Und jetzt werden Hormone ausgeschüttet: der Blutzucker steigt, der Herzschlag wird schneller, die Pupillen erweitern sich, der Blutdruck wird erhöht. Und weil man beim Kampf oder bei der Flucht es nicht braucht: die Verdauungsfunktionen werden ausgeschaltet, die Immunabwehr wird reduziert. Dadurch steht dem Körper alles an Energie zur Verfügung um zu kämpfen oder zu flüchten. Durch die daraus resultierenden Bewegungen konnten die ausgeschütteten Hormone und das, was sie im Körper bewirkt haben, abgebaut werden. Dieses ‚Programm‘ ist in unseren Genen und im ältesten Teil des Gehirns abgelegt. So haben die Menschen schon zu Urzeiten funktioniert.

Unser Körper funktioniert heute immer noch so – nur wohin mit all dieser freigesetzten Energie? Kämpfen oder Weglaufen geht in unserer bewegungsarmen Welt nicht mehr! Also bleiben alle diese Hormone und körperlichen Veränderungen vorhanden ohne dass es eine Chance gibt, sie irgendwie abzubauen. Nach Stresssituationen gibt es wegen weiterer nervlicher Belastungen selten eine Erholungspause. Damit bleibt der Körper stets in einer Art ‚Alarmstellung‘. Und neuer Stress steigert die körperliche Belastung von diesem Ausgangspunkt ‚Alarmstellung‘ erneut, sodass der Pegel von Belastung zu Belastung sich erhöht. Das führt irgendwann zu schädigendem Stress. Die durch die Stressreaktion freigesetzten Hormone baut der Körper heute um, zu ungünstigen Stoffen wie z.B. Blutfetten die sich an den Adern ablagern. Aus diesen Gründen ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr Erkrankungen der inneren Organe festzustellen sind. Hier möchte ich die Herz-Kreislauf Erkrankungen und die Erkrankungen des Magen-Darmtraktes beispielsweise erwähnen.

Typische Stresssymptome sind u.a. Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Schweißausbrüche, Unsicherheit, tiefe Erschöpfung, mangelnde Konzentrationsfähigkeit. Die Gefahr des Ausbrennens ist vorhanden, deshalb ist nicht ohne Grund der Begriff Burnout in aller Munde.

Wieso belastet Stress die Menschen so unterschiedlich ?

Nicht jede Situation belastet gesundheitsgefährdend. Aber auch nicht jeder Mensch wird von den gleichen Situationen gestresst. Was den Einen regelrecht umhaut, entlockt dem Anderen gerade ein müdes Lächeln. Ganz entscheidend für Entstehung und/oder Verarbeitung von Stress ist die persönliche Bewertung der Situation. Nochmal: nicht das Ereignis löst Stress aus sondern die Art und Weise, wie Menschen damit umgehen! Wer sich den Herausforderungen nicht gewachsen fühlt, sein Leistungsvermögen überbewertet oder seine eigenen Leistungsansprüche zu hoch schraubt, wird schnell in diesen Teufelkreis (Hamsterrad) geraten, aus dem er kaum wieder kaum von alleine herausfindet. Derart gepolte Zeitgenossen stehen ständig unter Druck – mit Konsequenzen für Körper, Geist und Seele.

Die unterschiedlichen Stresstypen hat die Stressforschung definiert:
Stresstyp A  ist aufbrausend, schnell erregbar und neigt bei Dauerstress zu Bluthochdruck bis hin zum Herzinfarkt.
Stresstyp B  ist eher ruhig, frisst alles in sich hinein und neigt bei Dauerstress zu Magen-Darm-Erkrankungen.

Stress hat auch sein Gutes !

Ursächlich betrachtet bedeutet Stress erstmal nichts Negatives. Seit jeher hilft er, Herausforderungen zu meistern. Deshalb definierte der Mediziner und Stressforscher Hans Selye das Phänomen Stress als ‚unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Beanspruchung‘.

Selye entwickelte bereits in den 1930er-Jahren die Grundlagen der Lehre vom Stress. Er wird als „Vater der Stressforschung“ beschrieben.
Hans Selye, Stressforscher
26.01.1907-16.10.1982

Bei drohender Gefahr setzt er verschiedene Körperfunktionen in Gang, die dem Körper in Bruchteilen von Sekunden ein Maximum an Energie bereitstellen ( s. auch ‚Welche Auswirkungen hat Stress‘ weiter oben). Früher wurden diese Ereignisse gebraucht um durch Flucht oder Kampf das Überleben zu sichern. Heute können diese gleichen Ereignisse Selbstvertrauen und Wohlbefinden steigern, weil neue Aufgaben oder Situationen als spannend empfunden werden und eine erfolgreiche Bewältigung möglich erscheint. Und wenn Aufgaben erfolgreich mit Spass und positiven Gedanken bewältigt werden, sind selbst große Belastungen positiver Stress (=nicht schädigender Stress). Wichtig ist aber, immer nach Phasen der Anspannung für Ruhe und Entspannung zu sorgen. Nur so erreicht man ein ausgeglichenes Stresserleben und vermeidet Krankheiten und Burn-out.

Was bedeutet Stressmanagement ?

Diese ziemlich wichtig klingende Wortschöpfung begegnet uns seit einiger Zeit immer wieder im Zusammenhang mit Stress und möglichen Gegenmaßnahmen. Im Grunde werden hier zum Einen die Anwendung von etablierten Entspannungsverfahren und zum Anderen persönliche Maßnahmen zur Steigerung des Wohlbefindens und zur Vermeidung von belastendem Stress zusammengefasst und das achtsame Zusammenspiel aller Punkte geübt und ins Bewusstsein gerückt. Ich gebe Ihnen mal einige Beispiele:

Etablierte Entspannungsverfahren sind nützlich zum Abbau von Stress, Anspannung und psychischen Belastungen. Sie helfen im Alltag gelassener zu bleiben. Die Verfahren haben unterschiedliche Ansätze. Ausführliche Informationen erhalten Sie auf den verschiedenen Seiten dieser Rubrik ‚Wissen‚.

Und persönliche Maßnahmen? Da gilt besonders der achtsame Umgang mit Phasen anhaltender Belastung oder Ärger, das rechtzeitige Einlegen von Pausen – die dann aber nicht als Zeitverschwendung angesehen werden sollen. Das gelingt besonders, wenn man sich vornimmt, schöne Dinge bewusst wahrzunehmen in den eigenen Alltag zu integrieren ( z.B. das strahlende Blau des Himmels, die wärmende Sonne und dann einige Minuten spazieren gehen).

Oder Sie nehmen sich etwas Besonderes vor und belohnen sich, wenn es geklappt hat. Oder Sie machen etwas, von dem Sie wissen dass es Ihnen Spaß bringt und das Gedankenkarussell zum Stillstand bringt. Das können Tätigkeiten sein wie Sport, Saunagang, ein entspannendes Bad, ein Theater-/Konzertbesuch, das Lesen eines ganz bestimmten Buches, Gespräche mit lieben Menschen – oder vielleicht auch etwas ganz Anderes.

Ein konsequentes Zeitmanagement hilft Termindruck und Aufgabenfülle in den Griff zu bekommen. Und manchmal reicht es auch, Aufgaben nicht zu 100% zu erfüllen! Geben Sie sich auch mal mit einer Notlösung zufrieden, denn Perfektionismus schadet nur Ihnen allein.  Sie setzen sich damit nur unnötig selbst unter Druck. Und manchmal hilft es auch, den Not-Ausschalter zu drücken und – auch wenn es schwerfällt – Aufgaben abzugeben oder gar nicht erst anzunehmen = NEIN sagen!

Und ganz wichtig ist auch in diesem Zusammenhang der Satz:

Das, was ich nicht ändern kann, nehme ich so an.

Denn mit unseren eigenen Gedanken schaffen wir unsere Welt, also auch zu einem Anteil unseren Stress.

Stresstest

Wollen Sie mal wissen, wie stark Ihre Belastung durch Stress ist? Ich habe über Wikipedia einen Link zu einem psychologischen Stressbelastungstest gefunden. Vielleicht haben Sie Lust, Ihre aktuelle Situation kennenzulernen? Dann …   klicken Sie hier